Geschichte

Elisabeth Tschumi von Wolfisberg als Frau eines Grosswesirs in der Türkei

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Portrait

Wer sich heute unserem Dorf nähert, ob von Solothurn oder dem Mittelland her, dem fällt als erstes die hell leuchtenden Kalkfluhen des Hällchöpflis und der Breitflueh auf. Diese hellen Bruchstellen im Jurakalk sind zu unserem natürlichen und weit herum sichtbaren Wahrzeichen geworden. Die schroff abfallenden Fluehen sind die Zeugen der Enstehung des kleinen Plateaus auf dem Wolfisberg entstanden ist. In der letzten Phase der jüngsten Eiszeit unterspülten die Schmelzwasser Flüsse des bis zu uns in das Mittelland vorgestossenen Rhonegletschers den weichen Jurafels und in einem gewaltigen Bergsturz brachen gewaltige Teile dieser Felsen ab. So wurde der Boden auf dem wir heute unsere Häuser bauen und auf dem wir leben von einem gewaltigen Bergsturz geschaffen. Wer sich die Zeit nimmt und sich aus einer gewissen Entfernung eine Betrachtung unserer Bergregion gönnt, dem wird sehr schnell klar, dass unser Dorf auf einer sanft geschwungenen Terasse über dem Oberaargau liegt, eben auf den Überresten des damaligen Bergsturzes. Nach dem Donnern der Felsmassen und dem Rückzug des Gletschers wurde es wohl recht ruhig in unserem Wolfisberg. Jahrtausende vergingen, Urwälder wuchsen empor, versanken und entstanden neu.

Ein Zeitsprung bringt uns in die erste akitve Periode unseres Ortes:

Auf unserer kleinen Zeitreise müssen wir bis ins Jahr 1518 vorstossen um endlich den ersten schriftlichen Beweis für Wolfisberg zu finden: In jenem Jahr wurde der Hof von Wolfisberg unter Aufsicht des damaligen bernischen Landvogtes vermarchet. Dieser Ort war nichts anderes als ein Bauernhof mit ein paar wenigen Gebäuden die auf dem kleinen Plateau über dem Schloss Bipp erbaut worden waren. Aber schon damals, immerhin vor 480 Jahren, hiess diese Siedlung schon Wolfisberg. Also drängt sich die Frage nach dem Woher dieser Bezeichnung auf: Leider lässt sich der Name unseres Dorfes nur im Volksmund und nur mit einem einzigen schriftlichen Beweis deuten: In jener Schrift wird belegt, dass vor jener Zeit (1500) ein Mann Namens Wolfram (oder keltisch Wolfharth) im heutigen Gebiet der Gemeinde gewohnt habe. Vielleicht hat sich aus diesem umgangssprachlichen Wöufu vom Bärg das heutige Wolfsiberg ergeben.

Im Jahre 1620 war der Hof bereits auf acht Häuser angewachsen und diese wurde ausschliesslich vonTschumi bewohnt. Laut dem Bericht des ehemaligen Dorflehrers Fritz Nyfeler im Jahrbuch des Oberaargaus 1990, stammen alle im In- und Ausland lebenden Tschumis von unserem Wolfisberg ab.

Wenige Jahre später bewilligte die hohe Obrigkeit zu Bern, dass der Weiler Wolfisberg weiter wachsen durfte und ihm folglich auch mehr Land zu gesprochen werden müsse. Die damaligen Wolfisberger nutzten das neue Recht denn auch gleich über die erlaubten Grenzen hinaus und wurden zu Land- und Waldfrevlern am Wald von Oberbipp und Wiedlisbach. Schliesslich musste auf den Protest der angrenzenden Dörfer hin die Marche genau vermessen und belegt werden. In einer damaligen Eintragung kann man nachlesen, dass die Wolfisberger sich verpflichten, ihre geheimen Sünden zu unterlassen und nicht mehr zu ernten und zu holzen, wo sie nicht gesät und gepflanzt haben. Doch liessen sich die alten Einwohner nicht bevogten und trieben ihre Sünden weiter bis ihre Bannwarte zu einer Busse von je drei Pfund verurteilt wurden. In jener Schrift war dann auch zu lesen, die Bannwarte seien die Wölfe unter den Schafen. Wolfisberg sei der richtige Name für das Dorf, und man sollte den Bock nicht zum Gärtner machen.

Scheinbar lernten die Alten das ihrige, denn solche Bussen und Berichte sind später nicht mehr zu finden. Dafür wurde im Jahre 1666 die Bergweide Buechmatt zum ersten Male mit einem Besitzer Namens Bernhard Tschumi, von Beruf Gerber, erwähnt.

Es kehrte mit der Ruhe im Dorfe auch ein Sück Kultur ein; im Jahre 1698 wurde zum ersten Male die Schule erwähnt. Schulmeister war der Lehrer Martin Kummli, er erhielt einen Jahreslohn von 18 Kronen. Im Jahre 1837 wurde die Schulkommission gegründet, ihre Protokolle sind bis heute lückenlos vorhanden. Der Lehrer Nyfeler fand diese während seiner Amtszeit von 1962 -92 nicht etwa im Archiv sondern verstaubt in einem Schrank im Lehrerzimmer.
So kann man in einem Protokoll vom Dezember 1849 also nachlesen dass, ein Johann Tschumi, Bannwart, Einwendungen gegen den Befehl zur Schulpflicht seiner Kinder machte:

1. Wer denn den regelmässigen Schulbesuch befehle
2. Die Wolfisberger seien viel zu streng in dieser Sache
3. Die Kinder sollten zu Hause helfen. Wenn man sie sommers und winters zur Schule schicke, sei das nur Bettler und Faulenzer gepflanzt.

Nun auch jener Johann Tschumi wird schliesslich seine Kinder zur Schule geschickt haben.

Auch kann sind die verschiedenen Entschuldigungen zur Absenz der Kinder nachzulesen; von Auszehrung über Kleidermangel bis hin zur Erntearbeit ist wohl fast alles zu finden.

Die Schule fand damals in einem Privathaus statt, erst im Jahre 1846 wurde das Schulhaus beim Dorfbrunnen gebaut. Bis dies fertig gestellt war, wurde in der Pintenwirtschaft Chalberweid im Tanzsaal unterrichtet. Dies ist jenes Haus an der Strassengabelung Rumisberg - Oberbipp, das heute von der Familie Kellerhals bewohnt wird. Für den neuen Lehrer wurde im Jahre 1847 nicht nur die Wohnung im Schulhaus  gestellt, sondern auch ein Stück Land zu seiner eigenen Nutzung. Dies galt noch bis in die sechziger Jahre für den Lehrer.

Die erste Wandtafel wurde 1867 angeschafft.

In den Jahren 1955/56 wurde das neue Schulhaus und Lehrerhaus gebaut und das alte Schulhaus wurde verkauft und zu einem Wohnhaus umgewandelt. Als in den siebziger Jahre die Zahl der Kinder stark zurück ging wurde zwischen den Berggemeinden 1975 der Schulverband gegründet.

Aber ein Dorf besteht ja nicht nur aus der Schule und dem Lehrer:

Die 1908 entstandene und offiziell 1921 als Verein gegründete Musikgesellschaft blickt auf eine reiche Vergangenheit zurück. So konnten dreimal neue Uniformen eingeweiht werden und auch zwei Amtsmusik- und gar ein  Oberaargauischermusiktag durchgeführt werden. Die jährliche Auffahrtchilbi ist zu einer Tradition geworden die das Dorf zu einem kleinen Festplatz macht. Bei dieser Gelegenheit laden unsere Musiker eine befreundete Gesellschaft aus der näheren oder weiter Umgebung zum gemeinsamen musizieren und feiern ein. Mit viel Freude und gutem Willen werden das ganze Jahr hindurch für unsere älteren Einwohnern Geburtstagsständli intoniert. Für die Musikgesellschaft ist natürlich ihr Jahreskonzert im Alpenblick der Höhepunkt der noch mit einem heiteren Theaterschwank gekrönt wird.

Zu einer Dorfgemeinschaft gehört natürlich ein gut organisierter Schutz

Im Jahre 1912 wurde für den beim heutigen Dorfbrunnen gebauten Feuerweiher eine neue Handspritze gekauft. Acht Mann wurden zu der Bedienung der Pumpe benötigt. Später wurde der Platz beim alten Schulhaus neu gestaltet und unter dem heutigen modernen Brunnen enstand ein Brandwasserreservoir. Auch die Feuerspritze hat sich gewandelt, ein lautstarker Motor sorgt heute für die nötige Kraft. Im Jahre 1991 wurde das erste Feuerwehrauto unserer Gemeinde gekauft. Die Namensgebung zeugt vonder Verbundenheit der Feuerwehrmänner zu ihrer Feuerwehr: Stolz steht der Name auf der Motorhaube-Wölfli. Die Feuerwehr hat nicht nur den direkten Nutzen und Sicherheit zu bringen, sondern bietet auch einen guten Treffpunkt für die Leute im Dorf, wo man sich noch besser kennen lernt und man die Kameradschaft untereinander pflegen kann. So verlängern sich die Übungen auch noch um einen gemütlichen Teil.Nun verlangt aber auch die moderne Zeit ihre Opfer am "Dörfligeist", so dass wir mit unserer Feuerwehr nicht mehr im Alleingang weiter arbeiten konnten. Um den gestiegenen Anforderungen genügen zu können schliessen sich die Feuerwehren Niederbipp und Wolfisberg zusammen. Erhalten bleibt der gemeinschaftliche Teil, da die jetzige Wehr in einen Löschzug umgewandelt wird und weiterhin unter Wolfisberger Kader geführt wird. Der grosse Nutzen ist das Können und Wissen der Stützpunkt Feuerwehr von Niederbipp.

Ein Blick in die Zukunft unsres Dorfes

In den letzten Jahren nahm die Einwohnerzahl stetig zu und es ist schön zu beobachten wie unser Dorf wieder etwas grösser geworden ist. Eine wichtige Vorsorge in unsere Zukunft ist der Wasserverbund Bipperamt, dem wir beigetreten sind. Die garantierte Wasserver- und entsorgung ist wohl der wichtigste Punkt den wir zu planen und umzusetzen haben.

Als kleine Gemeinde, als kleine Gemeinschaft wird Wolfisberg weiterbestehen und weiter gut gedeihen. Auf der sonnigen Terrasse über dem Obergaargau.

Januar 2001 Markus A. Herzig

 

 

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